Startschwierigkeiten im dänischen Busverkehr


Es war 4:10 Uhr am Morgen, als ich mich am Fährhafen von meiner Familie verabschiedete und an Bord ging. Bis zu diesem Moment hatte ich noch gar nicht richtig realisiert, dass ich mich jetzt wirklich alleine auf den Weg ins Ausland machen würde. Klar, Dänemark ist nur ein Steinwurf von meiner Heimat entfernt – und trotzdem war es für mich als alleinreisende Person ohne viel Erfahrung eine Herausforderung, mich beispielsweise mit dem dänischen System des öffenlichen Nahverkehrs vertraut zu machen.

Ähnlich strukturiert wie in London gibt es hier nämlich eine Rejsekord. Heißt, man hat eine Karte mit Guthaben, die man sowohl zu Beginn als auch am Ende der Fahrt abscannt, um sich den ständigen Ticketkauf am Automaten sparen zu können. Super praktisch – aber so eine Karte besaß ich natürlich nicht. Auf meiner Hintour zum ersten Host bin ich also zwei Mal schwarz gefahren, was die Busfahrer nicht wirklich gestört hat. Ich wurde einfach durchgewunken, nachdem ich beim Einsteigen ein Ticket kaufen wollte. Wären die Busfahrer hier ähnlich grimmig wie so manch einer in Deutschland, würde ich jetzt wahrscheinlich immer noch an der Haltestelle in Maribo festsitzen.


Als ich dann aber acht Stunden später mein Ziel erreichte und von meinem Host (aus Personenschutzgründen nenne ich sie mal Freja) am Hafen der Insel in Empfang genommen wurde, war ich vor allem eins: Unglaublich müde. Netterweise durfte ich ziemlich direkt nach meiner Ankunft mit ihr und den zwei anderen Workawayern zu einem sogenannten joint dinner gehen, bei dem sich einige Inselbewohner zum Essen trafen und den Nachmittag zusammen verbrachten. Es war echt hilfreich, schon mal ein paar Gesichter kennenzulernen, aber mir fielen immer mehr die Augen zu und als es am Abend endlich Zeit zum schlafen gehen wurde, ließ ich mich erschöpft ins Bett fallen.


Anstrengende Arbeit und süße Farmtiere


Bei meinem ersten Host dominiert die Arbeit auf der Farm und im Haus, welches gänzlich renoviert wird. Ehrlich gesagt war ich etwas erschrocken, als mir Freja ihr Grundstück zeigte – überall ist es chaotisch, es gibt an jeder Ecke etwas zutun und mein Host selbst hat gefühlt eine Million Projekte auf einmal am Laufen.

In den ersten Tagen habe ich deshalb von morgens um halb zehn bis Nachmittags um halb sechs gearbeitet: Zäune für die Tiere aufbauen, Holzdielen am Dach mit Sandpapier abschleifen, Unkraut zupfen, Tapeten von der Wand kratzen, Haus putzen, und so weiter. In meiner ersten Woche hier konnte ich super viele neue Sachen lernen und habe angefangen, mich im handwerklichen Geschick etwas auszuprobieren.

Aber auch die Tiere sind ein echtes Highlight: Freja hütet auf ihrer kleinen Farm drei scheue Kaninchen, fünf ungezogene Schafe (die einen immer hungrig anblöken, sobald man sich dem Zaun nähert) und vier süße Hühner.

Dazu kommt eine alte Hundedame und ein Schmusekater, in den ich mich vom ersten Moment an schockverliebt habe.

Trotz der geringen Distanz zu meinem Zuhause unterscheidet sich Frejas Lebensstil doch ziemlich von meinen Gewohnheiten. Die Mentalität der Inselbewohner ist freundlich, aber auch ein wenig schroff und besonnen auf das grundlegende Prinzip: Alles wird selbst gemacht. Obwohl Frejas Haus mit Renovierungszeug vollgestopft ist, kommt sie mit wenig aus und muss sich ihr geringes Einkommen gut einteilen. Ich bin dankbar, dass sie sich mir in nur kurzer Zeit schon sehr geöffnet und viel über ihre (nicht immer ganz einfache) Vergangenheit gesprochen hat – dadurch kann ich ihre Verhaltensweise manchmal besser verstehen und mich damit arrangieren.


Alleine reisen – Segen oder Horror?


Obwohl ich die Außenanlage mit Frejas kleiner Farm längst ins Herz geschlossen habe, ist die Insel für mich kein Platz, an dem ich für längere Zeit bleiben möchte. Nach einer Woche hier verstehe ich langsam, wie wichtig mir die Leute in meinem Umfeld sind. Besonders als alleinreisende Workawayerin brauche ich soziale Kontakte; Menschen, mit denen ich mich gern umgebe und von denen ich etwas lernen kann. Ja, ich verstehe mich gut mit Freja und sie inspiriert mich durch ihre Motivation, aus dieser Baustelle einen wunderschönen Ort zum Leben zu zaubern. Doch es ist nicht immer einfach mit ihr und da sie meine einzige Bezugsperson auf der Insel ist, fühle ich mich hin und wieder etwas einsam.


Von Vorteil ist es daher, diese Erfahrung mit einer anderen Person zu teilen. Bis jetzt sind während meines Aufenthaltes bei Freja zwei Workaway-Couples hier gewesen und es war beneidenswert mitanzusehen, wie sie sich gegenseitig unterstützen und von Vorneherein eine enge Verbindung zueinander pflegen. Sich als außenstehende Person mit den anderen Workawayern gut zu verstehen, wertet den gesamten Aufenthalt beim Host unglaublich auf und bringt Abwechslung in den Alltag. Das Pärchen, welches gerade da ist, kommt aus Wien, weshalb ich mich meist mit ihnen auf Deutsch unterhalte. Der Umgang ist locker, wir arbeiten zusammen – aber sie bleiben leider nur eine Woche.


Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich lieber zusammen mit einer mir vertrauten Person reisen, anstatt alles mit mir selbst auszumachen. Vielleicht ist das aber auch nur eine temporäre Ansicht, schließlich bin ich auf diesem Weg gezwungen, wieder und wieder über meinen Schatten zu springen. Von mir aus auf fremde Menschen zuzugehen, selbst zu schauen, wie ich etwas ohne Hilfe auf die Beine stelle – den Wert dieser Erfahrung werde ich mir wohl erst später richtig eingestehen können.

Meine ersten Tage in Dänemark

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2 Gedanken zu „Meine ersten Tage in Dänemark

  1. Hallo Caro!

    Tolle Bilder!! Schöner Beitrag! Und ich hoffe, du hälst noch immer gut durch nach Woche 2…
    Ja die Verbindung mit Gleichgesinnten ist mit die beste die man finden kann, unterwegs. Das ging mir auch so. Und auch den Anflug von Einsamkeit verstehe ich gut. Aber das sind die Erfahrungen die man macht, um sich besser kennenzulernen. Das ist leider nie nur rosa-rot. Wäre ja sonst langweilig…
    Grüß mir die Hühner! Und das süße Katzentier!
    Liebe Grüße aus Bööörlin – wo die Leute immer grummlig sind! TaniSani

    1. Hey Sani, danke für deine Nachricht! Hat ja leider doch nicht so geklappt, wie ich wollte – aber ich konnte trotz der kurzen Zeit viel mehr lernen, als ich erwartet habe 🙂 Mal schauen, wie meine Reise weitergeht. Grüße zurück nach Berlin an euch vier <3

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