Von Büchern und Tütensuppen

Bücher können so viel mehr sein als aneinandergereihte Buchstaben, die Wörter bilden, die sich Seite für Seite zu Sätzen verbinden und von Papier und Einband zusammengehalten werden. Besonders in den letzten Monaten habe ich einige Bücher gelesen, die mich nachhaltig zum Nachdenken gebracht haben. Dabei kommt es mir manchmal gar nicht so sehr darauf an, welchem Genre das Buch angehört. Viel wichtiger ist mir, inwiefern ich mich mit dem Protagonisten einer Story identifizieren kann, wie der/die Autor/in die Gesamtaussage der Geschichte verpackt oder ob die Handlung mich dazu bringt, 200 Seiten am Stück zu lesen.

Nachdem ich während der Abiphase so gut wie gar nicht zum Lesen kam, hat sich mein Literaturgeschmack später umso mehr verändert. Waren es vorher noch Teenie-Romane mit wunderschönen Liebesgeschichten, sind es nun vermehrt Entwicklungsromane und generell Bücher, für die ich mir Zeit nehmen muss, um sie gänzlich zu verstehen.

Einige davon möchte ich hier vorstellen, denn vielleicht inspierien sie dich ebenso wie mich. Außerdem habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass Leute in meinem Alter (und jüngere Menschen generell) oft kein besonders tiefes Interesse an Literatur pflegen, was an sich ja nicht schlimm ist. Ich für meinen Teil kann aber sagen, dass dadurch etwas Wichtiges verloren geht. Etwas, was man mit social media und YouTube-Videos nicht kompensieren kann. Warum? Ein elementarer Grund dafür wurde mir letztens von einem Journalist erklärt.

„Filme sind wie Tütensuppen. Sie sind gut, aber man sollte es mit dem Konsum nicht übertreiben.“

Mal ganz abgesehen davon, ob einem Tütensuppen schmecken oder nicht, hat sich mir der Sinn hinter dieser Aussage nicht sofort erschlossen. Und was hat das überhaupt mit Büchern zutun?

Das Schlüsselwort in diesem Zusammenhang lautet Kreativität. Er fragte mich, inwiefern mein kreativer Geist beansprucht wird, wenn ich im Kino sitze und eine schier endlose Abfolge von Bildern, Dialogen und Special Effekten anschaue. Nicht so sehr, offensichtlich. Und wie verhält es sich beim Lesen, wenn ich wie anfangs erwähnt lediglich Buchstaben und Papier vor mir habe? Keine Stimmen, keine Filmmusik und schon gar keine ausdrucksstarken Bilder, geschweige denn ein Gesicht zum Protagonisten. All das liegt allein beim Leser und seiner Vorstellungskraft.

Als Beispiel nannte er mir hierfür Gandalf von „Herr der Ringe“. Zugegeben, die Filme haben sich in meinen Augen fast schon mehr eingebürgert als die originalen Wälzer von J.R.R. Tolkien. Nichtsdestotrotz kommt jeder Person beim Gedanken an Gandalf zweifellos sofort Ian McKellen in grauem Gewand und mit wehendem Bart in den Sinn. Angenommen, es gäbe die Filme gar nicht – dann hätte jeder Leser seine ganz eigene Vorstellung von Gandalf, basierend auf der Beschreibung seines Aussehens in den Büchern.

Ob man nun viel Wert darauf legt, seinen kreativen Geist durch regelmäßiges Lesen zu schärfen oder nicht, muss jeder für sich selbst wissen. Für mich waren diese Gedanken jedoch ziemlich aufschlussreich und inspirieren mich dazu, die Freude am Lesen nicht zu verlieren – so groß die Verlockung der sozialen Medien auch manchmal sein mag.

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